Erfolgreicher Auftakt der 5. Zukunftskonferenz Wind & Maritim

Die derzeitige Energiewendepolitik der Bundesregierung lässt jedoch noch keine kohärente Strategie erkennen, mit der die großen Herausforderungen eines Komplettumbaus aller Sektoren der Energieversorgung in der notwendigen Zeit bis 2050 wirksam bewältigt werden könnten. „Verstärkt sich die Umbaudynamik im gesamten Energiesektor nicht erheblich, würden die fossilen Energieträger auch noch zur Jahrhundertmitte mit 70 – 75 Prozent Anteil das Energiesystem dominieren. Das Klimaschutzziel wäre weit verfehlt“, sagte Andree Iffländer, Vorstandsvorsitzender des WindEnergy Network e. V., anlässlich der Eröffnung der 5. Zukunftskonferenz Wind & Maritim, die vom 13. bis zum 14. April 2016 in der HanseMesse in Rostock stattfindet.

Ambitionierter Windenergieausbau für das Erreichen der Klimaschutzziele: In Mecklenburg-Vorpommern wurden im Jahr 2015 zwar fast neun Terrawattstunden (TWh) Strom aus Erneuerbaren Energien produziert, darunter etwa 4,9 TWh aus Onshore-Windenergie und 0,6 TWh aus Offshore-Windenergie. Aber bereits die Energiepolitische Konzeption für Mecklenburg-Vorpommern zeigt auf, dass noch erhebliche Anstrengungen notwendig sind, wenn das nordöstliche Bundesland bis zum Jahre 2025 einen Anteil von 6,5 Prozent der nationalen Stromversorgung bereitstellen will (was etwa 24,3 TWh Strom aus den Erneuerbaren entspricht). Kernproblem aus Sicht der Unternehmen sind die reduzierten Ausbaumengen für den jährlichen Zubau. „Die Branche fordert netto 2.500 Megawatt Onshore- und mindestens 900 Megawatt Offshore-Ausbau pro Jahr“, so Andree Iffländer, Vorstandsvorsitzender des WindEnergy Network. „Nur über stabil hohe Ausbaumengen können die gewünschten Klimaschutzziele erfüllt, die industriepolitischen Effekte erreicht und schließlich die Kostensenkungspotentiale realisiert werden.“ 

Windenergie an Land und auf See – zentrale Säulen der Energiewende sichern: Der Ausbau von Windenergie an Land und auf See soll zukünftig planwirtschaftlich erfolgen und durch die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorgesehene Berechnungsformel (sog. „Weltformel“) zur Bestimmung der jährlichen Ausbaumengen stark begrenzt stattfinden. Tatsächlich wird der Zubau durch die Weltformel noch zusätzlich ausgebremst. Die Bundesregierung ignoriert mit Ihrer Mengenbegrenzung sowohl die Bedarfslücke, welche durch die Abschaltung der Atomkraftwerke bis 2022 entstehen wird, als auch eine den Pariser Beschlüssen folgende, konsequente Umstellung auf eine 100%-ig dekarbonisierte Energieversorgung (Strom, Wärme, Verkehr) bereits bis 2040. Dazu Andree Iffländer: „Die im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) von 2014 politisch gesetzte Obergrenze eines 45-prozentigen Erneuerbaren Energien-Anteils am gesamten Stromverbrauch bis 2025 muss deshalb deutlich angehoben werden, um die Klimaschutzziele von Paris noch erfüllen zu können. Die vorgesehene Mengenreduzierung kommt einer Vollbremsung gleich und fügt dem Heimatmarkt schweren Schaden zu. Sie ist in jeder Hinsicht inakzeptabel.“

Die Windenergie an Land ist der kosteneffizienteste erneuerbare Energieträger. Windenergie auf See nutzt die stetig hohen Windgeschwindigkeiten aus. Damit trägt die Windenergie insgesamt zu einer hohen Verlässlichkeit bei der Stromerzeugung bei. In Deutschland ist die Windenergie bereits ein sehr bedeutender Wirtschafts-, Export-, und Wachstumsfaktor. Es gilt die etwa 150.000 Arbeitsplätze zu sichern. Auch die maritime Wirtschaft profitiert von dieser Entwicklung. Extrem lange und komplexe Planungsprozesse setzen Kontinuität in den politischen Rahmenbedingungen voraus, damit ein Maximum an Kostensenkungspotenzialen realisiert werden kann. Zentral ist bereits heute die Weichenstellung für die Zeit ab 2021. Der jährliche Zubau der Windenergie an Land und auf See muss erhöht und angemessen ausgestaltet werden. Der reduzierte Ausbaupfad ist nach wie vor nicht ausreichend. Er steht einer erfolgreichen Umsetzung der Energiewende und einer Erreichung der Klimaschutzziele von Paris entgegen.

Erneuerbare Energien Gesetz 2016 – Ausschreibungen zielgerecht gestalten: Kernelement der aktuellen EEG-Novelle ist die Einführung von Ausschreibungen. Es ist geplant, dass die Höhe der Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien anstelle der bisher gesetzlich festgelegten Fördersätze spätestens 2017 durch Ausschreibungen ermittelt wird. Bei der Ausgestaltung des Ausschreibungsdesigns ist jedoch auf die technologiespezifischen Besonderheiten zu achten. Die neuen Ausschreibungsmodelle für Windenergie müssen gewährleisten, dass der Übergang in das neue System vorhandene Spielräume der EU nutzt, bisherige Investitionen angemessen berücksichtigt, Verluste vermeidet und ausreichende Zubaumengen bereitstellt. Bei der Ausgestaltung der Ausschreibungsbedingungen ist sicherzustellen, dass die Akteursvielfalt auch tatsächlich erhalten bleibt. Brüche im Markt und unnötige Härten bei der Einführung des Ausschreibungsmodells sind zu vermeiden. „Wir fordern neben der Anhebung der jährlichen Ausschreibungsmengen eine behutsame Startphase von vier oder mehr Jahren, in der eine Überprüfung der Modelle und notfalls eine Nachjustierung der Konditionen möglich ist. Schließlich ist der Systemwechsel zu einem Ausschreibungsmodell in Deutschland Neuland.“, so Andree Iffländer.

Stromnetz verstärken und ausbauen: Um wettbewerbliche Ausschreibungen zu ermöglichen, benötigt der Ausbau der Windenergie vor allem verfügbare Netzanschlüsse und ein flexibles und verlässliches Netzanbindungsregime. So ist durch den Bund jetzt sicherzustellen, dass der zuständige Übertragungsnetzbetreiber heute mit den Arbeiten für die Fertigstellung von Netzanschlusssystemen für 2021 und 2022 beginnt. Auch auf der Netzseite sind zur Beschleunigung des Ausbaus und zur Senkung der Kosten Projektausschreibungen und mehr wettbewerbliche Elemente einzuführen. Der Netzausbau ist ein Schlüsselelement für das Gelingen der Energiewende. Durch einen adäquaten Netzausbau lassen sich Abriegelungen (Abschaltungen zum Erhalt der Netzstabilität) von Windparks reduzieren. Im Hinblick auf die bisher weitestgehend ausgebliebene Sektorenkopplung (die Verknüpfung von Erneuerbaren Strom mit Wärme und Mobilität) steht die Weiterentwicklung des Stromnetzes vor großen Aufgaben, welchen sich insbesondere politisch stärker gewidmet werden muss. Hierzu zählt auch die Integration von Stromspeichern verschiedenster Art (Batteriespeicher, Power-to-Gas, Power-to-Heat) in das Stromnetz. 

Über die Zukunftskonferenz Wind & Maritim:

Die ZukunftskonferenzWind & Maritim ist die jährliche Fachkonferenz des WindEnergy Network e.V. (WEN) in Rostock. Sie ist richtet sich an die gesamte Windenergiebranche, die im Zuge der Energiewende nach Partnern, Trends und Synergien sucht. Ziel der Zukunftskonferenz Wind & Maritim ist es auch, die Windenergie mit der maritimen Wirtschaft - als Partner der Energiewende - zu vernetzen.

Auf Einladung des WEN sind in diesem Jahr mehr als 350 Branchenexperten, u. a. aus Belgien, Dänemark, Finnland, Österreich, Niederlanden, Polen und Schweden sowie aus ganz Deutschland von ca. 150 namhaften Unternehmen, Institutionen und Behörden zur Konferenz nach Rostock gekommen. Zu ihnen gehören unter anderem Iberdrola, Nordex, Rheinmetall, E.ON, EnBW, Gicon, Enercon, 50Hertz Transmission, Liebherr und die KRAL AG aus Österreich. Hinzu kommen Branchenexperten u. a. vom Fraunhofer AGP, von der Universität Rostock, vom Leibnitz Institut für Ostseeforschung (Warnemünde), vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (Bremen), der Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE, dem Bundesverband Windenergie (BWE) sowie von den Partnerverbänden aus der Offshore-Wind-Industrie-Allianz (OWIA).

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