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Berlin/Schwerin (OZ)
Mecklenburg-Vorpommern hat als Wirtschaftsstandort einen kräftigen Sprung nach vorn gemacht. Die wirtschaftliche Dynamik im Nordosten ist sogar größer als in Bayern. Sie liegt im Ländervergleich nach Hamburg auf Platz zwei.
Das ist das Ergebnis einer Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die gestern in Berlin vorgestellt wurde. MV konnte danach vor allem bei der Versorgung der Menschen mit Arbeitsplätzen punkten, auch wenn das Ausgangsniveau sehr niedrig war, wie die Wissenschaftler einräumen. Dennoch: Das Land an der Ostsee gilt als Überraschungskandidat unter den 16 Bundesländern. Es habe vom Aufschwung besonders profitiert. Das trifft auch für die anderen ostdeutschen Länder zu, allerdings nicht so ausgeprägt. So kletterte in MV von 2004 bis 2007 der Anteil der Erwerbstätigen an allen Einwohnern im Alter von 15 bis 65 Jahren um 6,9 Prozent – der höchste Anstieg bundesweit. Nirgendwo sonst ging in diesem Zeitraum auch die Zahl der Straftaten so zurück (minus 13 Prozent). Als weitere Stärken des Landes werden ein deutliches Plus an angebotenen Lehrstellen (plus 8,8 Prozent) und die so gut wie nicht gestiegenen Arbeitskosten (plus 0,4 Prozent) hervorgehoben.
Das ist zugleich die Schattenseite. Bei Wohlstandsindikatoren wie Kaufkraft oder verfügbares Einkommen hinkt der Nordosten weiter deutlich hinter dem reichen Süden hinterher. In puncto Wohlstand, Beschäftigung und Infrastruktur landet MV nur auf Platz 14, nach Brandenburg und vor Berlin und Sachsen-Anhalt. Als weitere Schwachpunkte nennt die Studie den Bevölkerungsrückgang, die wachsende Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss, das unter dem Bundesdurchschnitt gebliebene Wirtschaftswachstum und den wachsenden Anteil an Arbeitslosengeld-II-Beziehern.
Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) sprach angesichts des zweiten Platzes von einem „großen Erfolg, der nicht von ungefähr kommt“. Er wertete die Studie als „Beweis dafür, dass die langjährige Förderpraxis der Landesregierung insgesamt erfolgreich ist“. Mit Blick auf die steigende Zahl an Hartz-IV-Empfängern sagte der Regierungschef, das Land müsse weiterhin große Anstrengungen im Bereich Qualifizierung und Bildung unternehmen, um Langzeitarbeitslose stärker in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) hob die guten Ausbildungsbedingungen und Wirtschaftsdaten hervor. Er mahnte jedoch, weiter an den Schwächen zu arbeiten. Hierzu zählten vor allem zu viele Schulabgänger ohne Abschluss, die hohe Arbeitslosigkeit und die im Bundesvergleich niedrigen verfügbaren Einkommen. Nach Ansicht von Lothar Wilken, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände für MV, gibt es zurzeit eine erstaunliche Dynamik auf dem Arbeitsmarkt, von der auch die Beschäftigten profitierten. Wilken: „Wir sind insgesamt auf einem guten Weg. Die niedrigen Lohnkosten sind einer unserer Standortvorteile.“
Quelle: Ostseezeitung
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